Schön war’s
by Christian Werthschulte
Und das schreibt die WAZ:
Über Pop im Ruhrgebiet sei bisher zu wenig erzählt worden, meinten die Herausgeber des Buches „Echt! Pop-Protokolle aus dem Ruhrgebiet“ und baten einschlägige Autoren um Nachbesserung. Das komplexe Ergebnis wurde in der überaus voll besetzten Goldkante vorgestellt.
Zunächst las Klaus Fiehe, DJ und legendäres Urgestein des WDR, seine Geschichte über „Boggi“. Das ist Bogdan Kopic, dessen Aufsteigergeschichte quasi vom Tellerwäscher zum Millionär sich im Ruhrgebiet abspielte, eben vom Lehrling und Manager einer Vorort-Hard-Rockband bis hin zum Plattenboss von Combos wie Nightwish, Him und den Eurovisions-Schock-Rockern von Lordi. Kopic grinste derweil gut gelaunt im Publikum, wo der ebenfalls im Buch vertretene Autor Wolfgang Welt raunte, dessen erste gemanagte Band „Faithful Breath“ in der Schule noch als „Feinde“ gesehen zu haben. Anschließend an diese mit vielen Namen und Anekdoten geschwängerte Pop-Historie performte der 1981 geborene Autor Jörg Albrecht. Seine Collage „100.000 Lo-Fi Lieder“ aus Stimme, Musik, und Diktiergerät nahm Bezug auf die mediale und inhaltliche Pop-Sozialisation von in den 70ern geborenen Menschen. Kassetten und deren Störgeräusche und Leerstellen und das Leben zwischen Punk, Indie und Provinz ließ er knisternd und rückkoppelnd in feinster Cut-Up-Ästhetik aufscheinen in der Nachfolge und Fortführung von Vorbildern wie Rolf Dieter Brinkmann, Jürgen Ploog oder Andreas Neumeister.
Ob der Heavy Metal wirklich die Fortführung industrieller Arbeit mit dem Werkzeug Gitarre sei und deshalb vom Ruhrgebiet aus einen weltweiten Siegeszug antrat, wie Klaus Fiehe überspitzt postulierte; oder ob das Auftauchen einer introspektiven Harfen-Folk-Sirene wie Joanna Newson in Herne relativ unwahrscheinlich („natürlich nicht unmöglich!“) sei, wurde anschließend in kleineren Kreisen fröhlich diskutiert. Derartigen Diskussionsstoff enthält dieses Buch aus dem Herzen des Pott-Pops, das weiterhin Furore machen wird, noch reichlich. Es sei jedem ans Herz gelegt, besonders vielleicht dem Herrn Dieter Gorny.



