Manifeste Metropolenträume
by Christian Werthschulte

Nostalgisch für die Zeit der Manifeste sei er, bekannte Tom McCarthy letzte Woche auf seiner Lesung in der wirklich sehenswerten Ausstellung “Wach sind nur die Geister“. Eine Nostalgie, die man erstmal teilen kann. Ein Manifest beklagt und verspricht, polarisiert und versöhnt dabei nicht. Und ist im Hinblick auf die täglichen PR-Sprüche über seine Heimatregion tatsächlich begehrenswert:
“Das wird wie beim Club der toten Dichter”, hofft Marc-Oliver Hänig, der Sprecher der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010. In dem Film würde sich am Ende auch einer nach dem anderen für die gute Sache erheben. Und genau so etwas schwebt den Machern der Kulturhauptstadt im Ruhrgebiet auch vor: Eingeladen von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und dem Vorsitzenden des Initiativkreises Ruhrgebiet, Eon-Chef Wulf Bernotat, würden sich die versammelten Unternehmer des Ruhrgebietes schließlich für die Kulturhauptstadt einspannen lassen. Obwohl zur Zeit keiner Geld übrig habe, so Hänig, würde doch noch “etwas herum kommen”.
Die alten Männer sollen es mal wieder richten. In Anbetracht dessen ist man für einen etwas panoramatischen Blick auf die Situation sofort dankbar. “Metropolenträume in der Provinz” ist der Titel eines Textes, mit dem sich die AG Kritische Kulturhauptstadt zu Wort meldet.
»Passagen«, »Vernetzung«, »Zukunft gestalten« – das Wortgeklingel der Kulturhauptstadt-Rhetorik klingt aufgesetzt angesichts der anhaltenden Strukturkrise. Es verschweigt die sozialen Wirklichkeiten einer Alltagskultur im Ruhrgebiet hinter dem großen Spektakel. Das Projekt Kulturhauptstadt spielt sich im Kontext des „Strukturwandels“ als ein Lösungsansatz auf, in dem die benachteiligten Bevölkerungsgruppen der Region jedoch keine Rolle mehr spielen.
Die Gruppe stellt ihr Papier am Dienstag, dem 26.Mai um 19.30 Uhr im Sozialen Zentrum, Josephstr.2 in Bochum vor.
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Und eine - augenzwinkernde - Manifestkritik ist in der 786. Ausgabe der Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung zu finden:
http://www.bszonline.de/archiv/35-kultur/1132-786-kulturhauptstadt-eine-kritik-der-kritik.html
Manifeste Grüße,
Uli