Benning

by Johannes Springer

Wer James Bennings sehr meditative Arbeiten über amerikanische Landschaften wie in seiner “California Trilogy” oder “13 Lakes” kennt, wird sich wundern über seinen als Trailer der diesjährigen Viennale fungierenden neuen Kurzfilm. Schon über seinen letzten Langfilm “RR” wurde gefeixt, im Vergleich zu seinen Seenlandschaften und Himmelsbetrachtungen nehme sich ein Film, in dem Züge durchs Bild fahren, wie ein Actionsfilm aus. Nun ist aber wirklich Action in Bennings Werk getreten, denn für die Viennale hat er sich ins Ruhrgebiet begeben.

Benning filmt einen Arbeitsvorgang in einem Stahlwerk im Ruhrgebiet. Auf einer Art Förderband fährt ein glühendes Stück Stahl ins Bild und verschwindet. Um nach kurzer Zeit wieder aufzutauchen und als feuriges, leuchtendes Material erneut durch die Aufnahme zu ziehen. Schließlich fällt ein künstlicher Regen aufs glühende Metall und die entstehende Dampfwolke erfüllt das gesamte Bild und bringt es zugleich zum Verschwinden.
James Bennings kleiner Film, entstanden im Auftrag der Viennale, ist ein ebenso einfaches wie raffiniertes Stück Kino. „I took the steel rolling process that takes about 10 minutes“, schreibt der Filmemacher, “and condensed it down to one minute by cutting out portions and hiding the elipses in time with dissolves”
Nach dem letztjährigen Trailer von Jean-Luc Godard, der ein kleines Wunder an Montagekunst war, ist Bennings Arbeit eine ebenso beeindruckende filmische Verdichtung von Zeit und Bewegung. Am Beispiel eines industriellen Arbeitsvorgangs. Und es wäre nicht James Benning, hätte er dafür nicht als Überschrift den Titel eines alten Hippiesongs von James Taylor gewählt: Fire and Rain.

Sehr sehenswert und hier zu sehen: http://www.viennale.at/deutsch/

Obwohl man sich fragen könnte, wie die klassischen Themen Bennings um Naturbeherrschung und Ausbeutung hier eigentlich angespielt werden.