Open the pad bay doors, Ruhr.2010!
by Christian Werthschulte
Pünktlich zu ihrem Start ist die Kulturhauptstadt zum Aufmacher mutiert. Während die bundesweiten Feuilletons der bekannten “So dreckig ist es im Ruhrpott doch gar nicht mehr”-Erzählung folgen, scheint vor Ort eher das Wetter Gesprächsstoff für das Kommentariat zu bieten. Dabei geht es auch deutlich gehaltvoller. In einem Gastbeitrag bei den Ruhrbaronen schreibt die AG Kritische Kulturhauptstadt:
Die Kulturhauptstadt 2010 agiert mit einem ausgrenzenden und instrumentellen Kulturverständnis. Kultur dient in erster Linie als Werkzeug zur Wirtschaftsförderung, von der nur eine Minderheit profitieren wird. Die Entdeckung der Kreativwirtschaft als trendige Urbanisierungsmaschine, die gefördert werden muss, reduziert Kreativität auf eine Geschäftsidee.
Ein solches Verständnis von Kultur als Standortfaktor kann im Ruhrgebiet nur scheitern. Schadenfreude ist jedoch unangebracht, sondern eher Wut über die Ignoranz gegenüber einer sozialen Alltagskultur, die sich hinter dem Wortgeklingel der Kulturhauptstadt und ihrem bunten Bespaßungsprogramm versteckt.
Das Bespaßungsprogramm ist aus Geldmangel dann diesmal nicht ganz so dröge. Statt Knappenchöre auf Schalke gibt es eine Beatplantation auf der Zeche Zollverein. Und damit zum Schluss dann noch ein wenig Eigenwerbung. Ab 18.30 reden in Halle 5 erst Jörg-Uwe Nieland und Maren Volkmann darüber, was Pop im Ruhrgebiet bedeutet, bevor Klaus Fiehe seinen Text aus “Echt! Pop-Protokolle aus dem Ruhrgebiet” liest. ByteFM ist auch vor Ort. Die Form ist misslungen, der Inhalt könnte aber ganz nett werden.