Bei den Ruhrbaronen konnte man letzte Woche von einer interessanten Studie der RVR-Grünen erfahren. Offensichtlich trägt man sich mit dem Gedanken, eine Popakademie nach Mannheimer Vorbild zu gründen. Standort soll wohl Dortmund werden. Die Idee selbst ist nun noch überhaupt nichts Neues, aber man kann ja mal nachlesen:
Das von den Medien gemalte Bild der reichen und erfolgreichen PopkünstlerInnen überdeckt auf fatale Weise die Wirklichkeit, die in der Branche auf die MusikerInnen wartet.
Was zuerst wie eine durchaus realistische Einschätzung wirkt, zeigt leider deutlich die Farbe der Hoffnung. Denn den in der Studie genannten 2200 MusikerInnen, die mehr als 17.500 Euro im Jahr verdienen, steht ein durchschnittliches Einkommen von 12.600 Euro gegenüber, dass die KSK für ihre 160.000 Mitglieder, darunter wohl auch einige Musiker, angibt. Trotzdem ist das eine interessante Idee, besonders weil es mit dem merkwürdigen Verelendungs-Mythos aufräumt, dass Pop besonders gut in der Prekarität gedeiht. Man erinnere sich nur an die Produktivität englischer KunsthochschulabsolventInnen mit poststudentischer Zeit in relativ gesicherten Verhältnissen “on the dole”. Dagegen sieht die Ahnenreihe, die die Popakademie-Gründer für NRW ausmachen, gleich noch provinzieller aus:
KünstlerInnen wie Kraftwerk, Westernhagen und die Toten Hosen, Nena, BAP oder Udo Lindenberg haben ihre Wurzeln in diesem Bundesland.
Apropos England. Dorthin werden die Blicke in der gesamten Kreativindustriedebatte ja mittlerweile seltener gelenkt. Warum das so sein könnte, kann man bei James Heartfield nachlesen:
In their T-shirts and trainers, Britain’s genius layabouts too easily spin romantic myths about creative work – that it is all brainy flashes of inspiration. Yet, for the most part, creative production is difficult and demanding work, full of dead-ends. Long ago, the radical critic Walter Benjamin wrote that the transformation of artistic technique ‘is for the author as producer, the basis of his political progress’. The responsibility on those working in creative industries is not social improvement or even economic growth. What is entrusted to artistic and imaginative individuals is the vitality and integrity of their work itself.